Öffentlichkeit

Über Gurus, Selbstliebe und wer noch so meine Knöpfe drückt...

Vor drei Wochen war ich im Kosmetiksalon der Mutter der Kinder meines Partners zur Maniküre. Als ich bezahlte, kam ihre Tochter herein und begrüßte mich recht kühl mit “hallo” – kein Küsschen, nichts weiter. Wir leben auf Mallorca, hier ist es in der Regel üblich, sich mit zwei Küssen auf die Wange zu begrüßen oder zu verabschieden. Ich behielt nach Außen die Fassung und ging zu meinem Auto. Ich wusste, dass ich die Kinder aufgrund einer Reise nun drei Wochen nicht sehen würde. Seit dieser Begebenheit beschäftigt mich der Gedanke: “Die Tochter meines Partners ist in der Öffentlichkeit abweisend zu mir.” Beweise, dass ich damit Recht habe, fallen mir gerade viele ein. Ich könnte euch von vielen Situationen erzählen, in denen ich die Tochter oder auch beide Kinder so erlebt habe. Das wäre wohl der traditionelle Weg. Ich erzähle meine Geschichte und im besten Fall findet sich jemand, der mich versteht, mich in meiner Meinung bestärkt oder mich vielleicht sogar etwas bemitleidet.

Verlassen wir einmal den traditionellen Weg und begeben uns auf einen anderen Weg, nämlich den Weg mit The Work of Byron Katie, bei dem es darum geht, in Frage zu stellen, ob das, was wir glauben, wahr ist.

Was macht man nun mit so einem hartnäckigen Gedanken, der sich nicht gut anfühlt?

In meiner Erfahrung gibt es genau zwei Möglichkeiten:
1.     Ich werde zum Opfer und glaube mir die Geschichte und beginne zu leiden.
Oder:
2.     Ich erkenne, dass es sich um einen Gedanken handelt und beginne den Prozess des Hinterfragens.

Heute fällt die Entscheidung für die zweite Option: Hinterfragen!
Und nun ein Durchlauf zum warm werden. Ich hinterfrage folgenden Gedanken mit The Work.

“Die Tochter meines Partners ist in der Öffentlichkeit abweisend zu mir.”

                  1.     Ist das wahr?

Ich schliesse meine Augen, versetze mich in die Situation im Kosmetiksalon der Mutter, die Kleine kommt herein, sagt Hallo zu mir und geht hinter die Theke zu ihrer Mutter und küsst sie. Nun beginnt eine Minimeditation: Ist das wahr? Sie ist in der Öffentlichkeit abweisend zu mir. Ist das wahr? Der Kopf fragt und das Herz darf antworten. Dabei lasse ich mir Zeit. Und schwanke, mal taucht ein Ja auf, dann ein Nein, dann wieder ein Ja… meine Antwort in diesem Moment ist: Ja, es ist wahr.

2.     Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass es wahr ist, dass die Tochter deines Partners in der Öffentlichkeit abweisend zu dir ist?

Es beginnt eine erneute Minimeditation. Der Verstand fragt, das Herz darf antworten. Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass sie abweisend zu mir in der Öffentlichkeit ist? Ja, nein, ja, nein, nein, ja…. Ich bin immer noch bei ja, und das ist total ok, denn es gibt bei The Work keine richtigen oder falschen Antworten – es gibt nur deine Antworten. Also: Ja.

3.     Wie reagierst du und was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?

            Die Tochter deines Partners in der Öffentlichkeit abweisend zu dir.

Ich reagiere traurig, enttäuscht. Verkrampfe, wenn ich sie in der Öffentlichkeit sehe, gehe davon aus, dass es dieses Mal wieder so sein wird wie letztes Mal, versuche nach aussen die Fassung zu wahren und mir nichts anmerken zu lassen, ich fühle mich allein, verraten, im Stich gelassen, als Aussenseiterin, beschämt, werde still, möchte allein sein und weinen. Ich lehne die Tochter meines Partners ab in dem Moment. Ich werde zum Opfer und versinke in einem Strudel negativer Gedanken. Es tauchen Bilder aus der Vergangenheit auf, wo ich sie auch als abweisend erlebt habe. Mein Herz ist schwer und tut weh.

4.     Wer wärst du ohne den Gedanken? 

Die Tochter deines Partners in der Öffentlichkeit abweisend zu dir.
In der Situation, im Kosmetiksalon der Mutter.
Ich wäre überrascht, sie zu sehen, würde mich freuen, sie noch einmal zu sehen, bevor ich verreise. Ich würde wahrnehmen, dass sie mit schlechter Laune ankam und sagte, ihr sei sehr heiss. Ich würde wahrnehmen, wie freundlich und zugewandt ihre Mutter zu mir ist und wäre dankbar für die gute Verbindung, die wir mittlerweile haben. Ich hätte Mitgefühl mit der Tochter, dass es vielleicht für sie schwierig ist, ihre Mutter und mich zu sehen und das noch nicht gewohnt für sie ist.

Ich wäre dankbar, dass sie einen merklichen Unterschied zwischen ihrer Mutter und mir macht, so dass ihre Mutter keinen Grund hat, eifersüchtig auf mich zu sein. Ich würde vertrauen, dass alles in Ordnung ist so wie es ist. Ich wäre erleichtert, dass es möglich ist, mit der Mutter und der Tochter in einem Raum zu sein. Ich würde das Hallo einfach als Information nehmen, wie die Tochter im Moment zu mir steht, was sich für sie richtig anfühlt und was nicht. Ich wäre erwachsen, reflektiert, bräuchte nichts im Außen, stark, zufrieden und offen.

Nun kehre ich den Gedanken um – was heisst, neue Perspektiven zu finden.

Der ursprüngliche Gedanke lautet:
Die Tochter meines Partners ist in der Öffentlichkeit abweisend zu mir.

Daraus wird: Die Umkehrung ins Gegenteil:

Die Tochter meines Partners ist in der Öffentlichkeit nicht abweisend zu mir.

Meine drei Beispiele, dass das auch wahr oder wahrer ist:

1.     Sie sagt Hallo.
2.     Sie hat kurz gelächelt, bevor sie durch die Tür kam und mich durch das Fenster sah.
3.     Sie hatte schlechte Laune und die hatte nichts mit mir zu tun.

Eine Steigerung dieser Umkehrung ist für mich:

Die Tochter meines Partners ist in der Öffentlichkeit zugewandt zu mir.

Meine Beispiele:

1.     Dafür, dass sie ihre Mutter und mich erst ca. 3 Mal zusammen erlebt hat, war sie recht entspannt.
2.     Sie hat mich begrüßt.
3.     Ich habe sie noch nie gefragt, wie es für sie ist, ihre Mutter und mich zu treffen, ich habe keine Ahnung, was in ihr vorgeht und falls sie stressige Gedanken dazu haben sollte, kann ich finden, wie sie mir zugewandt war bei diesem Treffen.

Nun kommt eine weitere Umkehrung: Ich vertausche die Personen. Aus“Die Tochter meines Partners ist in der Öffentlichkeit abweisend zu mir.” wird:
Ich bin in der Öffentlichkeit abweisend zu der Tochter meines Partners.

Drei Beispiele:

1.     Ich habe ausser Hallo zu sagen und zu lächeln, kein Zeichen gegeben, dass ich sie umarmen möchte.
2.     Ich bin in der Öffentlichkeit abweisend zu ihr, da ich angespannt bin in solchen Situationen und mein Verstand in die Zukunft projeziert, dass sie wieder abweisend sein wird. Das ist vielleicht für sie spürbar.
3.     Ich bin abweisend zu ihr, wenn mir wichtiger ist, dass sie mein Bedürfnis nach Nähe erfüllt, anstatt zu schauen, wie es dem Kind geht und was es gerade braucht – anscheinend genau diesem Abstand.

Und der letzte Perspektivenwechsel: Die Umkehrung zu mir selbst.
Ich bin in der Öffentlichkeit abweisend zu mir. 
Meine drei Beispiele dafür, dass das auch wahr oder wahrer ist:

1.     Ich weiss nicht, was in ihr vorging, und ich weiss, dass es mir nach dieser Begegnung schlecht ging – ein klares Zeichen, dass ich innerlich zu mir abweisend war.
2.     Ich bin in der Öffentlichkeit abweisend zu mir, wenn ich mich mit der Mutter vergleiche und mein Wohlbefinden davon abhängig mache, wie ihr Kind auf mich reagiert.
3.     Ich bin in der Öffentlichkeit abweisend zu mir, wenn ich mich hereinziehen lasse in die Geschichte, dass ich Zuwendung von aussen benötige, um mich vollständig zu fühlen.

Die letzte Umkehrung "Ich bin abweisend zu mir" erinnert mich an das Buch von Byron Katie: Ich brauche deine Liebe. Stimmt das? – in diesem Buch habe ich viel gelesen nach einer Trennung von einem Partner. Und nun wird mir das Thema erneut präsentiert vom Universum. Dieses Mal nicht durch einen Mann, dieses Mal durch ein Kind.

Katie sagt: “Leute gehen nach Indien um einen Guru zu finden, aber das musst du nicht: du lebst mit einem. Dein Partner wird dir alles geben was du brauchst für deine eigene Freiheit.” Im Moment sind die Gurus in meinem Leben die Kinder meines Partners, die mir kontinuierlich zeigen, wo ich noch nicht frei bin, wann ich mich selbst verlasse und wann ich meine, ein Anrecht auf dieses oder jenes zu haben, oder dieses oder jenes verdient oder nicht verdient zu haben. Die Wirklichkeit zeigt mir, was wirklich wahr ist. Immer nur das, was geschieht und zwar genau dann, wann es geschieht und nicht, wann ich meine, es sei ein angemessener Zeitpunkt. Da bleibt mir nur “Danke” zu sagen – für diese Reise des Erkennen, Einsehen, Üben, Wieder gut machen, Loslassen und Vertrauen.

Heute kommen die Kinder wieder für eine Woche zu uns. Ich bin gespannt, welche Knöpfe bei mir noch zu drücken sind und werde berichten ;-)

In diesem Sinne wünsche ich euch eine spannende Woche mit euren Gurus.

Alles Liebe

Kerstin

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