Alle Jahre wieder… ist Muttertag… Reflexionen über Erwartungen, Wertschätzung und andere Katastrophen

Was ist das Gute an stressvollen Gedanken?

Sie sind so laut und haben einen so starken Einfluss auf meine Gefühle, dass oft dadurch ein neuer Blogartikel entsteht.

Morgen ist Muttertag
Es ist wieder so weit. Morgen ist Muttertag. Letzte Woche habe ich meine Stieftochter gefragt, ob sie daran denkt, ihrer Mutter etwas zum Muttertag zu schenken. Sie erzählte mir, dass in der Schule für die Mamas etwas gebastelt wird. Gut. Das ist erledigt. Abgehakt auf der To do Liste.

Und seit heute regnet es nicht nur draussen, was in meiner Wahlheimat Mallorca ja nicht so oft vorkommt, sondern auch in mir. Es fällt mir sehr schwer, und ich muss zugeben, ja, ich habe meine Mühe damit, dass morgen Muttertag ist. Nein das stimmt nicht, ich habe Mühe damit, dass weder meine Stiefkinder noch mein Partner mir je etwas zum Muttertag geschenkt haben, und ich davon ausgehe, dass das auch morgen wieder so sein wird. Ich bin ja auch nicht die Mutter und verstehe, dass sie nicht einmal auf die Idee kommen. Wie sollten sie auch, sie haben ja keine Ahnung von den schrägen Gedanken und Bedürfnissen, die da in mir schlummern. Ich dachte, ich sei darüber hinweg und jetzt gerade merke ich, das stimmt nicht.

Gibt es eigentlich einen Stiefmuttertag?
Gerade als ich die Schlafanzüge meiner Stiefkinder bügelte, tauchte die Frage auf, ob es eigentlich einen offiziellen Tag der Stiefmutter gibt. Bei Wikipedia habe ich ihn nicht gefunden, in den USA wird der Sonntag nach Muttertag als Step-Momday gefeiert.

Die böse Stiefmutter
Ich hatte mich bisher noch nie mit dem Thema „Stiefmutter“ beschäftigt, weil ich auch keine Stiefmutter sein wollte. Der Begriff ist bei mir mit der Figur der bösen Stiefmutter aus den Märchen verknüpft, die ungeliebte, die Randfigur... ich wollte lieber die Coole sein, mit der man anders reden kann als mit Papa und Mama, die, die auch mal was durchgehen lässt, die, mit der man Spass haben kann. Und so wie die Jahre vergehen und die Kinder größer werden, kann ich beobachten, wie ich immer öfter sage, „meine Stieftochter, mein Stiefsohn“, wenn ich von ihnen erzähle. Es fühlt sich nicht mehr richtig an zu sagen:  die Kinder meines Partners. Dafür ist meine innere Bindung an sie mittlerweile zu groß oder es ist der Wunsch der Vater des Gedanken...

Also worum geht es heute?
Um Eifersucht, um Bedürftigkeit, um den Wunsch, gewertschätzt und geliebt zu werden und über blinde Flecken.

Als ich heute morgen mit meinem Kummer in der Küche stand und ein Häufchen Elend war, das sich um Fassung bemühte, kam aufeinmal unser Hund Rex in die Küche gestürmt und begrüßte mich freudig. Da dachte ich: „Hm, Rex braucht keinen Tag des Hundes, um glücklich zu sein. Er ist nicht mal sauer, dass ich ihn komplett vergessen hatte und ihm noch nicht einmal sein Frühstück gegeben hatte. Rex ist einfach glücklich, er ist das Glück selbst, und er braucht nichts von mir, um glücklich zu sein. Wie gern wäre ich wie er...“

Die ganze Welt dreht sich nur um dich
Beim weiteren Bügeln schoss mir auf einmal meine eigene Mutter durch den Kopf. Sie hat ja morgen auch Muttertag. Und ich habe nicht daran gedacht, frühzeitig ein Geschenk mit der Post zu verschicken. Meine arme Mutter... Telefon und Fleurop werden mir aus der Patsche helfen. Hm... das Ego weint, und dabei vergesse ich meine eigene Mutter... Byron Katie sagt sehr passend wie ich finde: „Die ganze Welt dreht sich nur um dich.“ Vor lauter Bedürfnis hatte ich meine eigene Mutter aus den Augen verloren.

Go first
Bei The Work – einem revolutionären Weg mit stressvollen Gedanken umzugehen – gibt es das sogenannte “Go-First” Prinzip. Byron Katie sagt: “Gib dir selbst das, was du gern vom anderen hättest und gibt dem anderen das, was du gern von ihm/ihr hättest. Die Frage ist nicht, liebst du mich, die Frage ist: Liebe ich dich?”

Wie kann ich mir selbst die Anerkennung geben, die ich gern vom anderen hätte?
Ja, das ist so wahr für mich, also Butter bei die Fische…
Ich wünsche mir Anerkennung zum Muttertag – wie kann ich mir selbst diese Anerkennung geben? Indem ich mich hinsetze, reflektiere und mir selbst danke. Also los:

Meine Dankbarkeitsliste an mich selbst:
Kerstin, ich danke Dir:
-       dass du bisher nie weggelaufen bist, auch wenn es nicht immer leicht ist
-       dass du die Kleine ins Bett bringst, wenn sie bei euch ist und auch spät noch eine Engelsgeduld mit ihr hast
-       dass du sie morgens in die Schule bringst und ihr die Brote schmierst
-       dass du die Sachen der Kinder wäscht und bügelst und ihnen die Sachen hinterherbringst, wenn sie etwas vergessen haben, was sie bei Mama gern hätten
-       dass du immer wieder die Work machst
-       dass du dich um Geschenke für die Kinder kümmerst zu Geburtstagen, Ostern, Weihnachten…
-       dass du lange deinen Kinderwunsch zurückgestelllt hast, um die Kinder zu schonen
-       dass du die Dinge einkaufst und das kochst, was sie gern mögen
-       dass du versuchst, in der Woche, wenn sie da sind, weniger zu arbeiten und mehr Zeit für sie zu haben
-       dass du so viel dafür getan hast, um dich mit ihrer Mutter gut zu verstehen
-       dass du ihren Hund aufgenommen hast und dich so gut um ihn kümmerst
-       dass du ihre Betten machst und versuchst, ihnen ein Gefühl von Ordnung mit auf ihren Weg zu geben
-       dass du grosszügig bist ihnen gegenüber
-       dass du zugestimmt hast, dass die Kinder mit Papa und Mama nach Disneyland fahren, obwohl es es dir so schwer gefallen ist
-       dass du dich im Hintergrund hältst, wenn sie da sind und ihnen Raum mit ihrem Vater lässt.
-       Dass du dein Herz offen hältst für sie und dich immer wieder öffnest

Puh… ja, dafür bin ich dir dankbar, ich weiss, dass das oft nicht leicht ist für dich. Ich danke dir. Du machst das wunderbar!

Während ich das schreibe, laufen mir die Tränen. Es tut so gut, mir das selbst zu sagen, inne zu halten und es zu spüren. Und gerade kommt mir noch eine Idee: Ich werde mir selbst ein Geschenk zum Stiefmuttertag kaufen.

Und ich werde in mich gehen und überprüfen, an welchen Stellen ich “zu viel” gebe und etwas als Gegenleistung erwarte, und ich werde meinen Fokus wieder mehr auf meine Eltern, meine Neffen, meine Freunde lenken und die Kinder von der Last, meine Erwartungen erfüllen zu müssen, befreien. Das fühlt sich kraftvoll an und liebevoll.

In diesem Sinne wünsche ich morgen allen mallorquinischen Müttern einen schönen Muttertag – und allen Müttern in Deutschland kommende Woche, wie ich gerade erfahre. Dann habe ich ja noch Zeit, ein Geschenk für meine Mutter auf die Post zu bringen. Und allen Stiefmüttern und Stiefvätern wünsche ich, dass ihr euch selbst dankt und wertschätzt, was ihr da alles so leistet.

Das Leben ist freundlich und schön, wenn ich Verantwortung für mich übernehme.

In diesem Sinne alles Liebe

Kerstin

P.S.:
Einen Tag nach Muttertag in Spanien:
Gestern habe ich eine wunderschöne Überraschung bekommen: Ein Armband mit einem riesen Herz und einen Schal - rate mal von wem??
Von den Kindern und ihrer Mutter. Das Universum und die anderen sind so viel freundlicher als meine Gedanken. Danke, dass ich auch das wieder erfahren durfte.

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